Die GRÜNEN Neustadt

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Neustadter Grüne zum Artikel „Kritischer Blick auf die Energiepolitik“ vom 24.07.2026

Anlässlich des RHEINPFALZ-Artikels „Kritischer Blick auf die Energiepolitik“ nach einem Interview mit Karl Linnenfelser (CDU in Geinsheim) vom 24.07.2026 beziehen die Grünen in Neustadt Stellung. Als ehemaliger Abteilungsleiter im Atomkraftwerk Philippsburg bedauert er, dass „man sich vom Atomstrom zu leichtfertig verabschiedet habe.“ Für die Grünen ist Atomkraft wirtschaftlich, geopolitisch und ökologisch keine sinnvolle Technologie für die künftige Stromerzeugung in Deutschland. Angesichts gedrosselter oder ganz abgeschalteter AKW in Frankreich, Rumänien, der Schweiz und Ungarn – wegen des historischen Niedrigwassers bzw. zu hoher Wassertemperaturen europäischer Flüsse – sollte klar sein, dass mit Atomkraft in Zeiten des Klimawandels und immer heißer werdenden Sommern keine zuverlässige Stromerzeugung möglich ist. Der beschleunigte Klimawandel zeigt sich in gehäuften Hitzetagen und länger anhaltenden Hitzeperioden, die wissenschaftlich belegt sind.
Die von einigen politischen Akteuren propagierten kleinen modularen Reaktoren (SMR) befinden sich weiterhin in einer frühen Entwicklungsphase. Weshalb von diesen in den nächsten 20 Jahren mit keinem wesentlichen Beitrag zur Stromversorgung und damit auch nicht zur Lösung der Klimaerwärmung zu rechnen ist. Zu guter Letzt sind exorbitant hohe Bau-, Entwicklungs- und Planungskosten der Sargnagel dieser Technologie. Aufgrund abgelaufener Zulassungen kann man alte AKW – sofern diese noch nicht zurückgebaut sind – nicht einfach wieder anfahren. Es bräuchte völlig neue Zulassungen und Finanzierungsmodelle. Ganz abgesehen von der ungeklärten Lagerungs- und Entsorgungsproblematik des stark radioaktiv strahlenden Abfalls in Deutschland und deren fehlenden Akzeptanz durch die Bevölkerung.
Ebenso ist die Kernfusion noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase und die Machbarkeit konnte noch nicht demonstriert werden, obwohl es viele Projekte dazu gibt, u.a. in Deutschland. Selbst bei einem schnellen Durchbruch dieser Technologie bräuchte es Zeit für signifikante Beiträge zur Stromversorgung.
Als zweiten Kritikpunkt an der Energiewende formulierte Linnenfelser, dass durch das „Gewackel“ von Sonne und Wind keine langfristige stabile Versorgung gewährleistet werden könne und die Netze gefährde. Dr. Johannes Weber und Christian Boestel, Energie- und Nuklearexperten der Grünen Stadtratsfraktion in Neustadt, entgegnen, dass es für eine künftige Netzstabilität – bei einem weiteren Zuwachs an erneuerbaren Energien – elementar wichtig ist, in den Ausbau des städtischen Stromnetzes und in weitere kurz- sowie mittelfristige Speicher in Neustadt zu investieren. Bereits heute stehen praxistaugliche Speicherlösungen zur Verfügung, die von Netzbetreibern zunehmend eingesetzt werden.
Ein Beispiel hierfür sind Großbatteriespeicher in Philippsburg, deren Speicherkapazität rechnerisch dem Strombedarf von rund 100.000 Haushalten entspricht.
Darüber hinaus brauche es für eine regenerative Energiewende in Mittel- und Nordeuropa zur Überbrückung von Tag-Nacht-Zyklen oder „sogenannten“ Dunkelflauten Lösungen. Für solche Situationen kommen beispielsweise Speicherlösungen sowie mit Biomethan oder Wasserstoff betriebene Gaskraftwerke als flexible Reservekapazitäten infrage, Wasserstoff kann durch Elektrolyseure erzeugt und gespeichert werden – z.B. bei einer Überkapazität von großen Photovoltaik- oder Windkraftanlagen. Bei Bedarf kann Wasserstoff wieder in Strom zurückverwandelt werden.
Im Gegensatz zu Hitzeperioden sind Dunkelflauten erfahrungsgemäß lokal eingeschränkt und nehmen durch einen konsequenten nationalen und europäischen Netzausbau in ihrer Bedeutung stark ab.
Eine weitere Netzstabilisierungsstrategie könnte künftig bidirektionales Laden sein, bei dem z.B. E-Autos Strom für den Haushalt abgeben oder auch ins städtische Stromnetz einspeisen können, wenn gerade zu wenig erneuerbarer Strom produziert wird. Durch dynamische Stromverträge und den Einbau von sogenannten Smartmetern in privaten Haushalten, könnten Stromverbräuche – zum Beispiel für das Laden von E-Autos oder das Anschalten von Waschmaschinen – dann stattfinden, wenn viel Strom im Netz vorhanden ist und damit die Stromkosten günstig sind. Smartmeter sind intelligente, zentral regelbare Stromzähler mit Software, die gezielt den Stromverbrauch im Haushalt, je nach Verfügbarkeit und Stromkosten, regulieren und damit in Zukunft ebenfalls zur Netzstabilität beitragen werden. Auch in Neustadt haben die Stadtwerke im vergangenen Jahr begonnen, auf Smartmeter umzustellen.
Die Grünen Neustadt stehen für einen konstruktiven Dialog über die Umsetzung einer schrittweisen, sicheren und bezahlbaren Energiewende vor Ort bereit. Ziel bleibt eine klimafreundliche, verlässliche und wirtschaftlich tragfähige Energieversorgung für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

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